Ein Kommentar zum Desertec-Projekt
Es ist begrüßenswert, daß die alteingesessenen Energiekonzerne sich mit dem Desertec-Projekt intensiv mit erneuerbaren Energien befassen. Die Idee, die Sonneneinstrahlung in Afrika zu nutzen macht grundsätzlich Sinn. Dennoch ist diesem Projekt mit einer gewissen Skepsis zu begegnen, denn jahrelang spielten neue Art der Energieversorgung bei den Stromkonzernen nur eine untergeordnete Rolle, vielmehr wurde die “Cash Cow” gemolken – auf Kosten des Klimas und des Verbrauchers, der sich einem Oligopol weniger Energieerzeuger gegenübersah.
Wenn nun ein Projekt gestartet wird, welches 17% des europäischen Stroms aus Sonnenenergie produzieren könnte, kann man nur hoffen, daß dies auch geschieht. Und zwar in enger Zusammenarbeit mit den afrikanischen Regionen, deren Land man für das Projekt nutzen möchte. Daß drei Jahre Planungen (mit ungewissem Ausgang) nötig sind verwundert bei der Größenordnung einer geschätzten Investitionssumme von 400 Milliarden Euro nicht. Diese Herangehensweise ist jedoch dem größer-schneller-weiter-Denken des 20. Jahrhunderts geschuldet, welches sich weiterhin in Politik und Konzernen wiederfindet. Die Planung und Realisierung einer Photovoltaik-Anlage auf einem Dach oder einer Freifläche geht weitaus schneller vonstatten. Es sind weniger finanzielle Mittel nötig und es entstehen durch viele kleine Anlage dezentrale Strukturen, die die Macht von Energieerzeugung und -verkauf verteilen statt sie zu konzentrieren. Gefährlich wird es, wenn die 3 Jahre Bedenkzeit dazu genutzt werden, die veraltete Atomtechnik wiederzubeleben oder – wie von Klimasünder Vattenfall bevorzugt – in die Kohlendioxid-Verpressung (neudeutsch “CCS”) einzusteigen. Kohleverbrennung stellt ein Risiko fürs Klima dar, Kohlendioxid-Abscheidung stellt ein unkalkulierbares Risiko für die Zukunft dar, denn was passiert, wenn das ins Erdinnere geleitete Gas ausbricht? Jahrtausendelang werden wir uns mit der Sicherung dieser CO2-Endlager befassen müssen.
Es gilt: Warten, bis “Desertec” beschlossene Sache ist, reicht nicht! Es ist ungewiss, ob das Projekt kommt. Es ist ungewiss, wo die langen Stromleitungen langlaufen werden (prognostizierter Verlust beim Energietransport: 15%), es ist ungewiss, wie viele Milliarden die großen Konzerne als Subventionen einfordern werden. Die Abhängigkeit von wenigen großen Lieferanten bliebe bestehen, allein dieses eine Projekt würde eine Markt-Macht von 17% bekommen – sicherlich einer der Gründe, warum man auf den Chef-Etagen darüber nachdenkt!
Wir plädieren dafür, unabhängig von den Planungen der Großen weiterhin die dezentrale Energieerzeugung in Europa und dem Rest der Welt voranzutreiben: Mit kleinen Anlagen auf Hausdächern und Freiflächen, mit Windkraft wo es sinnvoll ist, mit einem Mix aus Wasserkraft und Erdwärme. Und bei all dem sollte nicht vergessen werden: Der Energieverbrauch der entwickelten Industrienationen liegt um ein Vielfaches höher als jener von Menschen in den sich entwickelnden Ländern. Wer immer nur an Europa denkt, wird in der globalen Frage von Energie und Klima zu kurz denken.
14. Juli 2009 Erneuerbare Energien | 2 Kommentare »
