Elbland-Forum und die Transition-Bewegung

Ausgangspunkt für die Gründung des Elbland-Forum e.V. war im Jahr 2009 die Herausforderung der Energiewende, die damals weder breit diskutiert wurde, noch auf der politischen Agenda stand. Nachdem die Bundesregierung anno 2010 die Energiewende als staatliches Projekt ausgerufen hatte, stellte sich für den Verein zeitweise die Frage der Existenzberechtigung: Was solltenn wir in diesem Kontext noch thematisieren, wenn die Bundesregierung nun selbst die Energiewende angeht? Doch auch 5 Jahre nach dem Energiekonzept der Bundesregierung wird deutlich: Abgeschlossen ist die Energiewende noch lange nicht. Vielmehr droht sie in ihrer Dynamik einzuschlafen: Das Energie-Einspeise- Gesetz (EEG) hat diverse Entwicklungen angeschoben, seine (notwendige!) Beschneidung hat jedoch auch den Ausbau der Erneuerbaren Energien gebremst. Wie groß die Herausforderungen der Energiewende noch immer sind, zeigen etwa der weiter steigende Ausstoß von Treibhausgasen oder die Unsicherheit auf den Ölmärkten.
Nach einigen personellen Veränderungen – Jeannett Haas muss sich aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand zurückziehen – steht dem Verein erneut eine Orientierungsphase bevor. Zuletzt haben wir daher den Kontakt zur Dresdner Transition-Town-Bewegung intensiviert: Besteht dort Interesse, das Elbland-Forum zunehmend als Plattform für Aktivitäten zu nutzen? Gibt es da Menschen, die sich in den Verein stärker einbringen wollen? Die Signale stehen auf JA.Transition Towns sind Städte im Wandel; Städte, die den Umbau der Stadtstrukturen und der städtischen Lebensweise so vorantreiben, dass sie auch bei schrumpfenden fossilen Rohstoffen noch funktionieren und bevorstehende Krisen besser überstehen können . Da heute über die Hälfte der Menschheit in Städten leben, kommt den großstädtischen Verdichtungsräumen eine besondere Bedeutung zu. Wohin führt der Ausstieg aus fossilen Rohstoffen eine Stadtregion wie Dresden und ihr Umland? Und wie sähe eine Stadt der Zukunft aus, die gänzlich ohne Kohle, Erdöl und -gas auskommen müsste? Dies wollen wir künftig stärker thematisieren. Es ist jeder und jede willkommen, den oder die das auch interessiert.

Video: Dresden im Wandel

„Transition Towns“ heißt eine Idee aus Großbritannien, die inzwischen in Dresden Fuß gefasst hat. Um die Energiewende konsequent zu realisieren, werden wir nicht umhin kommen, unsere Städte und Dörfer an die Rahmenbedingungen eines postfossilen Lebens anzupassen. Erneuerbare Energien sind da nur ein Baustein, andere Bausteine drehen sich um die Frage unserer Wirtschaftsweise oder unserer Mobilität. In Dresden kommt jene Haltung, die den Transition Towns zugrunde liegt, unter dem Titel „Dresden im Wandel“ daher. Unter eben diesem Titel gab es am 17. Oktober 2013 einen Abend im Hygiene-Museum mit 12 verschiedenen Gruppen, die sich und ihre Arbeit vorstellten:

Der Abend selbst wurde mitgeschnitten und ist auf YouTube anschaubar.

Mehr Infos: www.dresden-im-wandel.de

Energiewende-Studie zu Radebeul

Das 2009 gegründete Forum für Energiewende und regionale Entwicklung im Elbland e. V. verspürte nach dem Nuklearunfall in Fukushima im März 2011 eine Art „Identitätskrise“: Plötzlich war das Wort Energiewende in aller Munde und erfuhr einen gewissen Bedeutungswandel. Plötzlich kümmerte sich die Bundespolitik um eine solche Wende. Der Bedarf, überhaupt für diesen grundlegenden Umbau des Energiesektors zu trommeln, schien verpufft. Anfang 2012 beschlossen wir daher, ein neues Projekt anzugehen: Wir wollten analysieren, welcher Stand der Energiewende in Radebeul – damals ein Jahr nach dem gravierenden Reaktorunglück in Japan – erreicht ist.

Unsere Studie Energiewende in Radebeul liegt nun vor, heute Abend stellen wir sie öffentlich im Rahmen des regelmäßigen Radebeuler Energiestammtisches vor und zugleich online zur Verfügung:

Die Studie darf nicht als abgeschlossenes, unfehlbares Dokument betrachtet werden, sondern soll vielmehr zur Diskussion anregen. Die aus unserer Sicht wichtigste Erkenntnis: Radebeul braucht eine Vision, wie die Bewohner künftig in ihrer Stadt leben wollen – angesichts energiepolitischer Veränderungen, angesichts rückläufiger Öl- und Gasförderung in Europa, angesichts des Klimawandels und neuer Energie-Technologien. Diese Vision muss entsprechende Prozesse in Gang setzen – hin zu bewussterem Energieeinsatz, geringerem Verbrauch, höherer Effizienz, hin zu erneuerbaren Energien und einer Energieversorgung, die sich weitgehend regionaler Wertschöpfungsketten bedient und damit das Geld in der Region belässt.

Da es sich um einen zentralen Aspekt des Gemeinwohls handelt, sollten Kommunalpolitik und Stadtverwaltung diese Vision mit federführendem Handeln und klaren Signalen stützen. Es gibt ein Energiekonzept der Bundesregierung, aber keinen detailliert ausgearbeiteten „Masterplan“ für die Energiewende, erst recht nicht bezogen auf einzelne Regionen und Kommunen. Man kann darin einen Makel sehen, es ebensogut aber als Chance begreifen, durch Eigeninitiative die „Energiewende von unten“ voranzutreiben. Letztlich sind es die Bürger und Unternehmen, die mit ihren Entscheidungen rund um das Thema Energie zu „politischem Kreuzchenmachen“ werden und über Radebeuls Zukunft bestimmen.

Daher laden wir alle Radebeuler und die mit Radebeul verbundenen Akteure ein, unsere Studie zum Anlass zu nehmen, um über Zukunftsszenarien der Stadt zu debattieren und das Bewusstsein für Entscheidungen zu schärfen. Wir freuen uns über den Fortgang des Dialogs!

Eine Druckfassung der Studie kann gegen eine Schutzgebühr von 20 Euro beim Elbland-Forum erworben werden.

Energiestammtisch Elbland I. Quartal 2013

Der Energiestammtisch Elbland hat im vergangenen Jahr regen Zuspruch erfahren und die Diskussionen zu den einzelnen Themen haben gezeigt, dass wir deren Auswahl gut getroffen haben.

Um den Energiestammtisch in unserem Sinne weiterzuentwickeln haben wir uns in diesem Jahr dazu entschlossen, die Veranstaltungen einzuschränken und quartalsweise zu veranstalten sowie einen deutlicheren Bezug zur Energieregion Elbland herzustellen.

Unsere erste Veranstaltung findet am

Montag, den 11.03.2013, um 19 Uhr, in der Stadtbibliothek Radebeul-Ost (im Bahnhof Radebeul-Ost, Sidonienstraße)

statt und wird sich unter der Fragestellung

Wie entwickelt sich Radebeul? – Die Ressourcen- und Energiefrage

mit den Ergebnissen unserer Studie „Energiewende in Radebeul“ beschäftigen. Wir laden wieder sehr herzlich zum Mitdiskutieren ein und freuen uns, mit dem 1. Bürgermeister von Radebeul, Dr. Jörg Müller, den fachlich zuständigen und kompetenten Gesprächs- und Diskussionspartner von Seiten der Stadt begrüßen zu können.

Die Veranstaltung ist offen für alle und kostenfrei.

Wir freuen uns, wenn auch Sie wieder dabei sind!

… weitere Informationen zum Energiestammtisch Elbland

Video: Dresden auf Entzug

Ende April luden Friedrich-Ebert-Stiftung, Deutsches Hygiene-Museum Dresden und zwei Akteure des Elbland-Forums zu einem Abend ins Hygiene-Museum, bei dem es um die Frage ging: Wie funktioniert die Stadt ohne Öl? Unter dem durchaus provokanten Titel „Dresden auf Entzug“ wollten wir diskutieren, wie gut Dresden auf den Peak Oil vorbereitet ist – das globale Ölfördermaximum, dessen Auswirkungen vermutlich drastisch sind, das bislang aber im gesellschaftspolitischen Diskurs und in den Strategien von Kommunen und Unternehmen nur eine sehr, sehr untergeordnete Rolle spielt.

Eingeladen hatten wir Vertreter der IHK, des Dresdner Einzelhandels sowie der Dresdner Verkehrsbetriebe und 140 Besucher kamen – weitere 40 mussten wir leider absagen, da der gewählte Saal zu klein für das Interesse war. Bei der nächsten Veranstaltung am 8. November 2012 werden wir deshalb einen größeren Saal im Hygiene-Museum nutzen.

Der Vortragsabend wurde mitgeschnitten. So können nun auch jene teilhaben an diesem Abend, die im April nicht live dabei waren. Untenstehend oder direkt auf YouTube:

 

Umundu-Festival in Dresden: Städte im Wandel

Das diesjährige Umundu-Festival für global nachhaltigen Konsum findet vom 10. bis 20. November statt und bietet über 50 bunte Veranstaltungen. Das diesjährige Thema steht den Motiven des Elbland-Forums sehr nahe, es lautet „Transition Town – Stadt im Wandel“. Unter dem Stichwort „Transition Town“ formiert ich eine Bürgerbewegung, die die eigenen Städte krisenfester machen will, um Klimawandel, Wirtschaftskrise und Peak Oil zu begegnen. In Sachsen gibt es derzeit in Dresden und Leipzig Transition-Initiativen, wir dürfen erwarten, dass es in den kommenden Jahren noch einige mehr werden.

Besonders hervorzuheben:

Das Komplettprogramm liefert einiges mehr…

Transition Training in Dresden

Im Rahmen des Transition Town Movement (etwa „Bewegung für eine Stadt
des Übergangs“) proben seit 2006 Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen
in vielen Städten und Gemeinden der Welt den geplanten Übergang in eine
postfossile, relokalisierte Wirtschaft. Eine Initiatorengruppen zu
Transition Town Dresden hat sich gefunden und erste Treffen haben
stattgefunden.

Für Samstag, den 21.05.2011 und Sonntag, den 22.05.2011 ist ein Transition Town Training in Dresden geplant.

Die Kursleitung erfolgt durch zwei ausgebildete Transition Town Trainer
und werden von Gerd Wessling geleitet werden. Gerd Wessling begleitet
seit über 3 Jahren die Transition Initiativen. Er war und ist oft in
Totnes (UK) und lebt an seinem Heimatort Bielefeld als Mitgründer von
Transition Town Bielefeld.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung:
http://www.stadt-im-wandel.net

Die Teilnehmeranzahl ist auf 30 Teilnehmer begrenzt und die Teilnahme
wird entsprechend dem Eingang der Anmeldungen vergeben.

1. deutschsprachige Transition-Konferenz in Hannover

„Transition“ heißt „Übergang“. Wir stehen an der Schwelle des Übergangs vom fossilen ins postfossile Zeitalter. Das Elbland-Forum versteht sich als aktiver Spieler in dieser Übergangszeit, doch wir sind nicht allein. Ausgehend von der Kleinstadt Totnes in Großbritannien formt sich derzeit eine globale Bewegung, die die Energiewende auf lokaler Ebene voranbringen will: Die Transition-Town-Bewegung.

Die von dieser Idee Bewegten treffen sich jetzt:

Vom 19. bis 21. November zur 1. deutschsprachigen Transition-Konferenz in Hannover

Aus Dresden fahren zumindest zwei Leute hin. Wer kommt aus unserer Region noch mit?

Mehr Infos zur Konferenz: http://www.transition-konferenz.de

Peak Oil im Gespräch: Die Bundeswehr-Studie

Seit Mitte August eine Studie des Zentrums für Transformation der Bundeswehr in die Öffentlichkeit kam, hat das Thema Peak Oil neue Aufmerksamkeit erhalten. Die Studie ist nicht offiziell freigegeben, offizielle Stellungnahmen beschränken sich darauf, ihre Echtheit zu bestätigen, sie aber als „inoffizielle Vorabversion“ zu bezeichnen. Unabhängig davon ist der Inhalt der Studie brisant, ist es doch die erste umfassende Analyse einer öffentlichen Einrichtung in Deutschland, die sich mit dem Thema auseinandersetzt.

Insbesondere befindet die Studie:

  • dass Peak Oil ein „systemisches Risiko“ für alle gesellschaftlichen Bereiche darstellt
  • dass die Wirkungen des Peaks umfassend sind und es Zeit kostet, Vorbereitungen zu treffen

Während SPIEGEL ONLINE sich insbesondere auf die sicherheitspolitischen Problemstellungen konzentriert und der überwiegende Rest der Medien sich dieser Sichtweise anschließt, soll jedoch folgendes betont werden:

Peak Oil hat sehr lokale Auswirkungen. Die betroffenen Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche wie Verkehr, Landwirtschaft, chemische und Automobilindustrie sowie sinkende Kaufkraft und zu erwartende Transformationsarbeitslosigkeit werden jeden Menschen in irgendeiner Form erreichen. Deshalb ist es notwendig, sich von lokaler Seite aus Gedanken über die Umgestaltung der Kommunen und Regionen zu machen. In der Studie heißt es unter anderem dazu:

„Der Faktor Zeit kann für den Erfolg der Transformation zu post-fossilen Gesellschaften dabei entscheidend sein. Um diesbezügliche demokratische Entscheidungsprozesse zu beschleunigen, müssen die Gefahren einer erodierenden Ressourcenbasis im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert werden. Nur so kann das notwendige Problembewusstsein für anstehende Weichenstellungen entstehen. Gleichzeitig müssen eigene Möglichkeiten der Vorbereitung geprüft und ergriffen werden. Dezentrale Lösungsansätze können zwar von zentraler Stelle gefördert, aber in der Regel nicht entwickelt und implementiert werden.“

Damit heben die Autoren die Rolle der Kommunen hervor, die die gesellschaftlichen Knotenpunkte dezentraler Lösungsansätze sind: In den Kommunen muss ein Problembewusstsein entstehen und die Lösungen lokal entwickelt und umgesetzt werden. Eine Analyse der Studie aus einem kommunalen Blickwinkel gibt es bei Peak-Oil.com (einen Überblick über weitere Reaktionen gibt es hier). Aus Sicht des Elbland-Forums werden wir in unserer Meinung verstärkt, dass die Energiewende insbesondere auf lokaler Ebene vorangetrieben werden sollte. Der Ansatz der Transition Towns ist dabei hilfreich. Wir laden jeden ein, diesen Prozess unterstützend zu begleiten.

Stellen Sie sich München energieautark und ökologisch vor…

Das wird 2015 nicht mehr nur Vision, sondern Realität sein.

Zumindest für die privaten Haushalte der Stadt, die bis dahin allesamt aus Wind-, Sonne- und Wasserkraft und Biomasse versorgt werden sollen. Bis 2025 auch die ansässigen Unternehmen, die als größte Abnehmergruppe von Strom gelten.  Dies ist das erklärte Ziel der rot-grünen Stadtregierung und steht als erstes konkretes Projekt für viele andere Kommunen, die eine eigene dezentrale und ökologische Energieversorgung in Planung haben.

Hintergrund dieser „neuen Öko-Bewegung deutscher Städte“ ist die Liberalisierung im Strommarkt, die für viele Kommunen ein Aufbruchsignal für mehr Unabhängigkeit und Ökologie in der Stromproduktion und -versorgung bedeutet. Die dezentrale Produktion von Strom muss in Deutschland ab 2020 zu mindestens 30% aus erneuerbaren Energien stammen.

Weitere Städte wie Hamburg, Düsseldorf, Kassel, Augsburg und Freiburg – um nur die größten zu nennen – planen über ihre eigenen Stadtwerke Energie zu erzeugen und ihren Bürgern und ansässigen Unternehmen zu 100% Strom aus erneuerbaren Energien anzubieten. Energieautarkie ist ihr erklärtes Ziel und dies wird  in Zukunft nur ökologisch möglich sein.

Zum Artikel in der FAZ: Die neue Öko-Bewegung der Städte