Peak Oil im Gespräch: Die Bundeswehr-Studie

Seit Mitte August eine Studie des Zentrums für Transformation der Bundeswehr in die Öffentlichkeit kam, hat das Thema Peak Oil neue Aufmerksamkeit erhalten. Die Studie ist nicht offiziell freigegeben, offizielle Stellungnahmen beschränken sich darauf, ihre Echtheit zu bestätigen, sie aber als “inoffizielle Vorabversion” zu bezeichnen. Unabhängig davon ist der Inhalt der Studie brisant, ist es doch die erste umfassende Analyse einer öffentlichen Einrichtung in Deutschland, die sich mit dem Thema auseinandersetzt.

Insbesondere befindet die Studie:

  • dass Peak Oil ein “systemisches Risiko” für alle gesellschaftlichen Bereiche darstellt
  • dass die Wirkungen des Peaks umfassend sind und es Zeit kostet, Vorbereitungen zu treffen

Während SPIEGEL ONLINE sich insbesondere auf die sicherheitspolitischen Problemstellungen konzentriert und der überwiegende Rest der Medien sich dieser Sichtweise anschließt, soll jedoch folgendes betont werden:

Peak Oil hat sehr lokale Auswirkungen. Die betroffenen Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche wie Verkehr, Landwirtschaft, chemische und Automobilindustrie sowie sinkende Kaufkraft und zu erwartende Transformationsarbeitslosigkeit werden jeden Menschen in irgendeiner Form erreichen. Deshalb ist es notwendig, sich von lokaler Seite aus Gedanken über die Umgestaltung der Kommunen und Regionen zu machen. In der Studie heißt es unter anderem dazu:

“Der Faktor Zeit kann für den Erfolg der Transformation zu post-fossilen Gesellschaften dabei entscheidend sein. Um diesbezügliche demokratische Entscheidungsprozesse zu beschleunigen, müssen die Gefahren einer erodierenden Ressourcenbasis im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert werden. Nur so kann das notwendige Problembewusstsein für anstehende Weichenstellungen entstehen. Gleichzeitig müssen eigene Möglichkeiten der Vorbereitung geprüft und ergriffen werden. Dezentrale Lösungsansätze können zwar von zentraler Stelle gefördert, aber in der Regel nicht entwickelt und implementiert werden.”

Damit heben die Autoren die Rolle der Kommunen hervor, die die gesellschaftlichen Knotenpunkte dezentraler Lösungsansätze sind: In den Kommunen muss ein Problembewusstsein entstehen und die Lösungen lokal entwickelt und umgesetzt werden. Eine Analyse der Studie aus einem kommunalen Blickwinkel gibt es bei Peak-Oil.com (einen Überblick über weitere Reaktionen gibt es hier). Aus Sicht des Elbland-Forums werden wir in unserer Meinung verstärkt, dass die Energiewende insbesondere auf lokaler Ebene vorangetrieben werden sollte. Der Ansatz der Transition Towns ist dabei hilfreich. Wir laden jeden ein, diesen Prozess unterstützend zu begleiten.

Umundu-Festival in Dresden

Das Umundu-Festival in Dresden geht in die zweite Runde: Vom 27. Mai bis 5. Juni laufen Filme, Vorträge und Konzerte zum Thema “Nachhaltiger Konsum”. Schwerpunkt dieses Jahr ist “Nachhaltige Geldwirtschaft“, aber auch zum Thema Energiewende wird es Aktivitäten geben. So läuft am 31. Mai und am 2. Juni die “4. Revolution” mit Unterstützung des Elbland-Forums und am 1. Juni “The power of community – How Cuba survived Peak Oil“. Am 4. Juni erweitern wir unsere Filmreihe um eine weitere Aufführung von “A Crude Awakening – The Oil Crash“. Gemeinsam mit dem Elbtaler beteiligen wir uns am 5. Juni beim Markt auf dem Martin-Luther-Platz in der Dresdner Neustadt und freuen uns darauf, mit Interessierten ins Gespräch zu kommen!

Mehr Informationen: www.umundu.de

Braucht die Energiewende Atomkraft?

Die Energiewende ist in vollem Gang. Die Zukunft wird von Erneuerbaren Energien geprägt sein. Daß Atomkraft eine wesentliche Rolle im solaren Zeitalter spielt, ist unwahrscheinlich. Nicht nur die jahrtausendelange Strahlung des Mülls sollte uns von Atomkraft abhalten, auch die begrenzte Verfügbarkeit von Uran. Genau wie Öl hat auch Uran einen Förderhöhepunkt – Peak Uran. Genau wie Öl wird auch Uran nach seinem Peak teuer und schwerer verfügbar. Je mehr Atomkraftwerke gebaut werden, umso schneller ist der Rohstoff alle. Statt in Atomkraft sollten wir deshalb in eine energetische Neuorganisation von Wirtschaft und Gesellschaft und in die Ernte erneuerbarer Energien investieren.

Campact organisiert zu diesem Thema derzeit eine Aktion. Unter dem Titel

Die Energiewende braucht keine atomare Brücke!

kann jeder sich einen Brief an den atompolitiknähesten Abgeordneten seines Wahlkreises erzeugen lassen, der diesen dazu bringen soll, seinen Standpunkt zu hinterfragen. Es kostet keine 3 Minuten…

Wer jedoch mehr Zeit investieren will oder gar anderer Meinung ist, sollte mit dieser nicht hinter dem Berg halten, sondern die Kommentar-Funktion nutzen.

Globales Denken und regionale Initiative

Scheitern der Weltpolitik: Der Klimagipfel von Kopenhagen ist gescheitert. Zwei Wochen lang verhandelten die Regierungen der Staaten unserer Welt um eine Einigung, um uns vor den Folgen einer globalen Klimakatastrophe zu bewahren – oder diese Folgen zumindest durch beherztes Eingreifen so weit einzudämmen, wie es derzeit noch möglich ist. Doch statt rechtlich verbindlicher Abkommen lieferte der Kopenhagener Gipfel windelweiche Versprechungen, eine Not-Einigung auf das 2-Grad-Ziel, das zwar immerhin ein Schritt in die richtige Richtung ist, aber ohne Verbindlichkeit für die Initiativen und Zielsetzungen der einzelnen Staaten daherkommt.

Im Grunde sind wir genauso weit wie vorher – jeder weiß, dass der Klimawandel aufgehalten werden muss oder sollte, jeder weiß, dass wir eigentlich an einem Punkt angelangt sind, an dem uns die Zeit davonläuft, um noch etwas zu ändern. Und trotzdem kann sich die globale Politik nicht darauf einigen, an einem Strang zu ziehen, der für uns alle die letzte Rettungsleine ist, um uns aus dem Sumpf der Klimakatastrophe noch soweit herauszuziehen, dass wir wenigstens noch atmen können. mehr…

Was bedeutet Peak Oil?

Ein VideoVortrag. Bitte auf den PLAY-Button am unteren Rand drücken, um das Audio zu hören:

Bedeutet Wirtschaftswachstum gleichzeitig Wohlfahrtswachstum?

Und weist damit ein wachsendes BIP auf Wohlfahrtszuwachs in einer Gesellschaft  hin?

Diese Frage verneinen Wissenschaftler bereits seit Jahrzehnten – Politik will mit einer konsequenten Antwort darauf aber Frankreichs Präsident Sarkozy betreiben. In einer Pressemeldung vom 15. September 2009 (“Wirtschaftsleistung anders messen”, FAZ) heißt es, “In der ganzen Welt glauben die Bürger, dass man sie anlügt”.

So sei es gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise notwendig, die klassischen Wirtschaftsindikatoren wie das BIP zu modifizieren oder eine neue Berechnungsmethode der Wirtschaftsleistung einzusetzen. So führten z.B. Naturkatastrophen oder Umweltverschmutzung nicht zu einer Minderung des BIP, obwohl Umwelt, Lebewesen und Werte vernichtet werden, sondern vielmehr zu dessen Erhöhung, da Reparaturausgaben entstünden.

Eine zu diesem Zweck bereits 2007 eingesetzte Kommission, u.a. unter Leitung des Nobelpreisträgers Joseph Stieglitz, hat nun den Vorschlag eines “Nettonationalproduktes” als neue Kennzahl vorgeschlagen, die alle Arten von Kapital berücksichtigen soll, die zur Produktion von Waren und Dienstleistungen beitragen. So auch Humankapital, die Qualität der Gesundheitsversorgung und eben auch Umweltkapital, das zur Wertschöpfung erheblich beiträgt. Ebenso sollen Wohlfahrtsaspekte wie die Einkommensverteilung stärker herausgestellt werden.

Der Ökonom Hans Diefenbacher, Professor an der Universität Heidelberg und Beauftragter des Rates der Evang. Kirche in Deutschland für Umweltfragen, beschäftigt sich bereits seit einiger Zeit mit Alternativmaßen, insb. mit dem Index of Sustainable Development (ISEW), dem Index für nachhaltiges Wirtschaften. Zusammen mit Roland Zieschank, Forschungsstelle Umweltpolitik an der FU Berlin, entwickelt er derzeit im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes einen “Nationalen Wohlfahrtsindex” (NWI), der, an dem ISEW orientiert, über die reine Produktion von Gütern hinaus die Einkommensverteilung berücksichtigt, Hausarbeit und ehrenamtliche Arbeit erfasst und die Kosten von ökologischen Schäden und unumkehrbaren Naturverbrauch abzieht. Erste Ergebnisse zur Indexentwicklung sowie zu den weiteren Schritten hin zu einer möglichen Umsetzung zeigt die Dokumentation des ersten Workshops am 22.01.2009 im Bundesumweltministerium.

Dass die Politik sich nun eines Themas annimmt, das in der wissenschaftlichen Fachwelt und in problembewussten alternativen Bewegungen bereits seit Jahrzehnten diskutiert wird, ist einerseits die Erkenntnis, dass sich gesellschaftliche Wertschöpfung unzureichend in Kennzahlen wie dem BIP abbildet und dass sich andererseits das  BIP als Maß für die Wohlfahrtsentwicklung einer Gesellschaft ungerechtfertigter Weise festgesetzt hat. Beide Erkenntnisse wurden durch die wachsenden sozialen Unterschiede, durch die Wirtschafts- und Finanzkrise und den Klimawandel mit betrieben und können somit als beginnender Ideologiewandel weg von einem reinen Wachstumsgedanken gewertet werden. Denn eines ist klar: Würde neben dem BIP – oder vielleicht sogar als Alternativmaß anstelle des BIP – ein Wohlfahrtsindex gesetzt, der regelmäßig erhoben würde, dann muss sich Politik in ihrem Handeln auch an ihm orientieren. Denn sie würde an seiner Entwicklung gemessen werden.

Interview mit Prof. Hans Diefenbacher  (der freitag, 23.04.2009)

Ansätze auf internationaler politischer Ebene

Begriffslexikon Wirtschaft

Ein Plädoyer für einen kulturellen Aufbruch in der Klimapolitik

Claus Leggewie beschäftigt sich als Politikwissenschaftler, als Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen und als Mitglied des wissenschaftlichen Beirates ‚Globale Umweltveränderungen‘ der Bundesregierung, u.a. mit der in Deutschland herrschenden Klimakultur – oder besser gesagt, mit einer zu schaffenden Klimakultur.

Denn, so konstatiert er, Deutschland drohe allein und im Verbund mit der EU und den westlichen Staaten insgesamt, ein auf der Stelle treten in der Klimapolitik. Und dies habe viel mit dem Zustand unserer Demokratie zu tun.

Das Feilschen und Handeln um Zielverpflichtungen, Reduktionsziele und Aktionsprogramme wird zwischen politischen Aushandlungsprozessen zerrieben, die von sich zersplitternden und in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung abnehmenden politischen Parteien und starken Lobbygruppen geprägt sind. Beide genügen sich umso mehr, als sie um ihr eigenes Gewicht und ihr Überleben kämpfen müssen. Für eine aktivierende Klimapolitik, wie sie Leggewie visions- und vor allem gesellschaftstragend fordert, ist da kein Platz.

Leggewie stellt deshalb die provokante Frage: Haben uns Diktatoren beim Klimaschutz etwas voraus? Und findet die Antwort in der Bürgerschaft als längst überfälligen Gestalter einer neuen Klimakultur.

Zum Artikel: Schönwetter-Demokraten von Claus Leggewie bei der ZEIT


  • Kontakt

    • Elbland-Forum e.V
      Hellerstraße 23
      01445 Radebeul

      Tel: 0351 43 8888 4
      Fax: 0351 43 8888 5

      Kontakt-Formular

  • Termine

    • Keine bevorstehenden Ereignisse.